Johannes Vutz
Position: Programm-Manager
Adresse: Zwölfling 16 | 45127 EssenDie Zukunft der Kirche im Ruhrbistum wird kleiner, vielfältiger und stärker vernetzt sein. Mit dem Programm Christlich leben. Mittendrin. richtet sich das Bistum Essen inhaltlich und strukturell neu aus – weg vom „Immer-weiter-so“, hin zu klar profilierten Orten, die Glauben in einer säkularen Gesellschaft erlebbar machen. Ziel ist eine Kirche, die ausstrahlt, weil sie relevant für Menschen ist – unabhängig von Herkunft, Bindung oder Konfession.
In einer Welt, in der immer mehr Menschen Religion als bedeutungslos erleben, gerät unser derzeitiges Kirche-Sein zuunehmend unter Druck. Gesellschaftlich geraten wir als Christinnen und Christen in Deutschland in eine Minderheitenposition. Eine wachsende Mehrheit der Bevölkerung hält religiöse Welt- und Lebensdeutungen für irrelevant und lehnt sie ab. Diese Entwicklung ist nicht umkehrbar. Zugleich verlieren bisherige kirchliche Angebote, deren inhaltliche Begründungen sowie die gesamte religiöse Sprache ihre gesellschaftliche Anschlussfähigkeit und werden nicht mehr verstanden.
Im Bistum Essen werden wir die bekannte Gestalt der Kirche nicht erhalten können. Wir befreien uns von dem Druck, aufhalten zu müssen, was nicht mehr aufzuhalten ist. Wir verstehen und respektieren, dass in einer säkularen Welt die Kirchen deutlich kleiner werden. Wir sehen, dass vieles, was in anderen Zeiten gewachsen ist, heute und künftig nicht mehr trägt – darum können wir mit Gelassenheit loslassen, was keine Wirkung mehr erzielt und nur noch belastet.
Viele sorgen sich, liebgewonnene Traditionen, vertraute Orte oder gewohnte Strukturen zu verlieren. Diese Ängste sind berechtigt und zeigen unsere Verbundenheit mit der Kirche. Sie verdienen Raum, doch sollten wir auch und vor allem die hoffnungsvolle Perspektive der anstehenden Veränderung nicht aus den Augen verlieren. Wir befragen den christlichen Glauben neu danach, was er konkret für das Leben einzelner Menschen und für die gesamte Gesellschaft bedeutet – und welche positive Wirkung er entfalten kann.
Mit dem Programm „Christlich leben. Mittendrin.“ wird das Bistum Essen dafür Sorge tragen, dass in der Breite der Gesellschaft vielfältige, unterschiedliche christliche Orte bestehen, an denen Menschen mit unterschiedlichen Herkünften und Bedürfnissen ein Gegenüber finden, an denen Christinnen und Christen ihren Glauben durch konkrete Dienste und Aktivitäten erfahrbar werden lassen. Ziel ist es, in einer überwiegend säkularen Welt den christlichen Glauben nicht nur anzubieten, sondern gemeinsam mit den Menschen danach zu fragen, was sie brauchen, um in einer begrenzten und konfliktreichen Welt erfüllt, solidarisch und friedlich leben zu können. Dabei geht es darum, Formen zu finden, wie der Glaube in den vielfältigen Lebensrealitäten überhaupt als relevante und tragfähige Option erfahrbar werden kann.
Um das Ziel zu erreichen, werden in den nächsten Jahren alle unterschiedlichen katholischen Handelnden – von den Pfarreien, über die Caritasverbände, die Schulen und Kinder-Tageseinrichtungen bis hin zu vielen weiteren sozialen und pastoralen Akteuren – in den Regionen unter einer „Dachmarke“ der katholischen Kirche miteinander verbunden. Auf diese Weise wächst in jeder Stadt und jedem Kreis eine Stadt- oder Kreiskirche, die sich in großer Pluralität und Vielfalt an unterschiedlichen Orten für unterschiedliche Menschen öffnet. Alle Handelnden sind in dem gemeinsamen Ziel verbunden, den christlichen Glauben in der Gesellschaft für möglichst viele Menschen attraktiv und anziehend zu leben und anzubieten. Das Nebeneinander von konkurrierenden Organisationen wird überwunden – durch einen strukturellen Rahmen für die verbindliche Zusammenarbeit vor Ort.
Der Weg zur Stadt- und KreiskircheEs geht dabei künftig nicht mehr darum, überall alles anzubieten – sondern gemeinsam Schwerpunkte zu setzen. Was zählt, ist die konkrete Wirkung vor Ort. In den Städten und Kreisen wird es daher herausragende Zentren kirchlichen Lebens geben, an denen durch die Bündelung von Kräften attraktive geistliche und soziale Angebote ermöglicht werden und ein hohes Maß an kirchlicher Gemeinschaft erfahrbar und öffentlich sichtbar wird. Daneben gibt es eine ausgewogene Vielfalt unterschiedlicher Orte und Gelegenheiten christlichen Lebens – caritativer, kultureller, pädagogischer oder sonstiger Art. Ausdrücklich gefördert werden darüber hinaus alle Eigeninitiativen christlichen Gemeinschaftslebens in den Quartieren vor Ort. Auf diese Weise wird für viele Gruppen von Menschen ein positiver Unterschied gemacht:
Menschen in all ihrer Vielfalt…
Freiwillig Engagierte …
Pastorale Mitarbeitende …
Angestrebt wird ein ökumenisches Miteinander aller christlichen. Die Kirche der Zukunft im Ruhrbistum wird eine ökumenische Kirche sein, die vor allem von der persönlichen Überzeugung und Einsatzbereitschaft aller Glaubenden getragen wird. Sie ist eine gesellschaftliche Minderheit, aber immer noch zahlenmäßig so stark, dass sie zwar nicht flächendeckend, aber doch an einer ausreichenden Zahl von Orten deutlich wahrgenommen werden kann. Die Kirche an Rhein, Ruhr und Lenne strahlt auf diese Weise aus, vermittelt einen lebensfreundlichen und -förderlichen Glauben und prägt die Gesellschaft vor allem mit ihren sozialen und diakonischen Angeboten. Sie hat als Minderheit einen anerkannten Platz in der Gesellschaft, weil sie aus überzeugten und überzeugenden Menschen besteht, die für ein solidarisches Miteinander einstehen.
Position: Programm-Manager
Adresse: Zwölfling 16 | 45127 Essen